Saldosteuersatz: vereinfachte MWST-Abrechnung für Schweizer KMU
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Der Saldosteuersatz ist eine vereinfachte Methode der MWST-Abrechnung, die die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) Schweizer KMU mit einem Jahresumsatz bis CHF 5'024'000 und einer jährlichen Steuerschuld bis CHF 108'000 anbietet. Statt jede Vorsteuer einzeln zu erfassen, multiplizieren KMU ihren Umsatz mit einem branchenspezifischen Satz, den die ESTV festlegt. Abgerechnet wird halbjährlich statt quartalsweise. Ein Wechsel zur effektiven Methode ist frühestens nach einer Steuerperiode möglich. Stand: Oktober 2026.
Definition
Der Saldosteuersatz (SSS) ist eine vereinfachte Variante der MWST-Abrechnung gemäss Art. 37 MWSTG (Mehrwertsteuergesetz). Statt Umsatzsteuer und Vorsteuer einzeln zu erfassen, wird der gesamte Bruttoumsatz mit einem branchenspezifischen, von der ESTV festgelegten Saldosteuersatz multipliziert; die Vorsteuern sind damit pauschal abgegolten. Das Verfahren reduziert den Buchhaltungsaufwand.
Die wichtigsten Eigenschaften
- 1Anwendbarkeit: Jahresumsatz max. CHF 5'024'000 und Steuerschuld max. CHF 108'000 pro Jahr (Art. 37 MWSTG)
- 2Sätze: branchenspezifisch, festgelegt von der ESTV; seit 2025 zehn Stufen von 0.1% bis 6.8%
- 3Abrechnung: halbjährlich (statt quartalsweise bei der effektiven Methode)
- 4Anmeldung: Antrag bei der ESTV
- 5Wechsel zur effektiven Methode: frühestens nach einer Steuerperiode; umgekehrt frühestens nach drei Jahren
- 6Seit 2025: ein eigener Satz für jede Tätigkeit über 10% des Umsatzes, auch mehr als zwei Sätze
- 7Vorsteuer separat geltend machen ist nicht möglich
Wer profitiert vom Saldosteuersatz?
Vom Saldosteuersatz profitieren vor allem Schweizer KMU mit überschaubarem Umsatz und geringen Vorsteuerabzügen — typischerweise reine Dienstleister, kleine Handwerksbetriebe und Einmann-Betriebe. Beispielsätze ab 2025: Malerei 5.3%, Elektroinstallation 4.5%, Sanitärinstallationen 3.7%, Coiffeursalon 5.3%, Beratung 6.2%, Reinigungsunternehmen 6.2%. Wer hohe Investitionen tätigt — etwa neue Maschinen, Fahrzeuge oder Liegenschaften — fährt mit der effektiven Methode oft besser, weil dort die volle Vorsteuer abzugsfähig ist. Vor der Anmeldung empfiehlt sich eine Vergleichsrechnung beider Methoden über ein Geschäftsjahr. Wichtig: Bei beiden Methoden müssen Rechnungen die MWST korrekt ausweisen und der Empfänger kann die Vorsteuer geltend machen — auch wenn Sie selbst mit Pauschalsatz abrechnen.
Beispiel-Saldosteuersätze ab 1. Januar 2025 (Auszug, Stand: Oktober 2026)
| Branche | Saldosteuersatz | Regulärer MWST-Satz |
|---|---|---|
| Maler | 5.3% | 8.1% |
| Elektriker | 4.5% | 8.1% |
| Sanitär | 3.7% | 8.1% |
| Schreiner | 3.7% | 8.1% |
| Reinigung | 6.2% | 8.1% |
| Beratung | 6.2% | 8.1% |
| Gärtner | 5.3% | 8.1% |
| Coiffeur | 5.3% | 8.1% |
Häufige Fragen zum Saldosteuersatz
Wer darf den Saldosteuersatz anwenden?
Schweizer MWST-pflichtige Betriebe mit einem Jahresumsatz von höchstens CHF 5'024'000 und einer jährlichen Steuerschuld von höchstens CHF 108'000 (Art. 37 MWSTG). Die Saldosteuersatzmethode beantragen Sie bei der ESTV.
Wie wirkt sich der Saldosteuersatz auf Rechnungen aus?
Ihre Rechnungen weisen weiterhin den regulären MWST-Satz von 8.1% (Normalsatz) bzw. 2.6% (reduziert) oder 3.8% (Beherbergung) aus — der Empfänger kann diese MWST als Vorsteuer abziehen. Sie selbst überweisen jedoch nur den Saldosteuersatz vom Bruttoumsatz an die ESTV.
Lohnt sich der Wechsel zum Saldosteuersatz?
Für Dienstleister mit wenig Investitionen oft ja, weil Buchhaltungsaufwand und Komplexität sinken. Für investitionsintensive Betriebe (neue Maschinen, Fahrzeuge, Liegenschaft) ist die effektive Methode meist günstiger, weil dort die Vorsteuer voll abzugsfähig ist.
Wie wechsle ich vom Saldosteuersatz zur effektiven Methode?
Wer mit Saldosteuersätzen abrechnet, kann frühestens nach einer Steuerperiode zur effektiven Methode wechseln, jeweils auf Beginn einer Steuerperiode (Art. 37 Abs. 4 MWSTG). Umgekehrt (effektiv → Saldosteuersatz) ist ein Wechsel frühestens nach drei Jahren möglich. Die Fristen für den Antrag nennt die ESTV in der MWST-Info «Saldo- und Pauschalsteuersätze».
Kann ich für verschiedene Tätigkeiten unterschiedliche Saldosteuersätze nutzen?
Ja. Seit 1. Januar 2025 sind auch mehr als zwei Saldosteuersätze möglich. Für jede Tätigkeit, die mehr als 10% des steuerbaren Gesamtumsatzes ausmacht, muss ein eigener Satz verwendet werden; die frühere 50-%-Regel für Mischbranchen ist weggefallen. Beispiel: Ein Gartenbaubetrieb rechnet seine Arbeiten mit 5.3% ab und gesondert fakturierte Pflanzenlieferungen mit 0.6%, sofern diese mehr als 10% des Umsatzes ausmachen.
Quellen & Standards
- ESTV — Saldosteuersatzmethode ab 2025
- ESTV — Änderungen bei den Saldosteuersätzen per 1. Januar 2025 (PDF)
- Verordnung der ESTV über die Höhe der Saldosteuersätze (SR 641.202.62)
- MWSTG — Mehrwertsteuergesetz (Art. 37)